Usakoser helfen vereint

Swakopmund (sk) – Falls Sie es noch nicht wissen, liebe Leser: der Usakos Padstall namens Namib Oasis hat seine Tore für immer geschlossen; an seiner Stelle soll ein Wimpy entstehen. Wo also hin, wenn man in dieser Ortschaft, die 1903 von der OMEG als ideale Bahnverbindung nach Swakopmund und Tsumeb gekauft wurde, etwas zu Mittag essen möchte?
Das Bahnhofshotel wird gerade renoviert, also ist auch dort nichts zu holen. Beim Tea Tree House steht man vor verschlossener Tür.
Ah, das steht es einladend am Gebäude neben der Khan-Garage: Khan Village Cafè!

 

 

Gemeinsam kleben der geschäftsführende Tankwart der Khan-Tankstelle in Usakos, Thomas Kapolo und die Usakos-Bewohnerin Elzabè Jones das eingeschlagene Fenster des von einem norwegischen Ehepaar gemieteteten Wagens zu. Foto: Susann Kinghorn

 

 

Die Einnahme eines guten, preisgünstigen Mahles wird jäh unterbrochen: Man hat gerade in ein Auto gleich neben dem Eingang dieses Restaurants eingebrochen. Nein, nicht in meines, denn ich habe als gebranntes Kind aus Namibia nichts auf den Autositzen zu liegen, sondern verstaue mein Gepäck grundsätzlich im Kofferraum, wo es nicht sichtbar ist. Getroffen hat es ein ahnungsloses norwegisches Ehepaar, das eine gigantische Tasche auf dem Rücksitz präsentierte. Kleidung, Geld, Flugkarten, Pässe – alles futsch!
Während ich die Skandinavier erstmal aufklärte, wie man es hierzulande NICHT macht, kam eine Usakoserin mit Plastik, Schere und Klebeband, um die kaputte Scheibe zuzukleben. Ihre Worte: ,,Dis daarem die minste, wat ek vir ons besoekers kan doen!” Der Manager der Tankstelle half ihr dabei. Das war aber noch nicht alles. Die wachsamen, aktiven Usakoser zwangen die Verkehrspolizei geradezu mit vorgehaltener Pistole dazu, eine Padblockade bzw. Straßensperre vor Swakopmund zu errichten, denn eine Angestellte des Khan Village Cafès hatte einen metallgrünen Wagen beobachtet, der nach dem Autoeinbruch im Affenzahn in Richtung Küste abdüste. Dank der Initiative der Einwohner dieser Ortschaft, die bis in die 1960er Jahre eine florierende Bergbaustadt war und heute eher als Zwischenstopp für den regen Durchgangsverkehr zwischen der Küste und der Hauptstadt Windhoek dient, wurden die Ganoven 25 km vor Swakopmund erwischt. Die Besucher unseres wundervollen Landes mit Wild-West-Würze haben jedenfalls alles zurückerhalten – außer dem Geld.

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