Salz und mehr (Meer) oder: die richtige Dosis macht’s

1.Skelettküste-, im Nordwesten des heutigen Namibia, um 1475: eine portugiesische Karavelle treibt steuerlos als Spielball in der Brandung auf die Klippen zu und zerschellt an der Küste. Die Mannschaft, seit Tagen ohne Wasser, versucht noch verzweifelt, einige der leeren Wasserfässer, die an Land gespült werden, zu retten. Man hofft, Quellen zu finden und das Wasser dann abzufüllen. Doch vergebens. Ein Matrose nach dem anderen verdurstet in der rauen und trockenen Wüste – denn das Meerwasser nutzt ihnen nichts, weil es zu salzig ist, und an Land gibt es nur Sand, Steine und Felsen.

 

 

NaCl – Kochsalz- Kristalle in Würfelform von der Saline beim Kreuzkap. Die Kristalle wachsen beim Verdunsten des Meerwassers.

Fotos: Martin Weigand

 

 

 

2.Hammerstein Lodge, vor einigen Jahren: Wir liegen am Pool, eine Gruppe Touristen hat ebenfalls im Schatten Platz genommen und ruht sich nach dem anstrengenden Ausflug zum Sossusvlei aus. Eine älterer Mann der Reisegruppe liegt im Schatten und schläft. Sein monotones Schnarchen übertönt das Stimmengewirr. Plötzlich schaut eine kleines Gepardenjunges vorbei, bleibt – irritiert durch die ungewohnten Töne – stehen und nähert sich schließlich neugierig dem Schlafenden. Es wittert wohl das Salz in dessen Nackenhaaren und fängt deshalb an, seine Haare abzulecken. Als der Schlafende dadurch aufwacht und die Ursache bemerkt, ist ihm die Sache doch nicht ganz geheuer. Er bleibt ganz ruhig liegen, bis das Gepardenjunge genug hat. Tiere, genau wie Menschen, brauchen nun mal Salz, und so hat das Kätzchen diese wohl ziemliche einmalige Gelegenheit „beim Schopfe gepackt“. Anschließend geht es zu meiner Frau und trinkt Wasser aus ihrer Hand – die Haare sind offensichtlich versalzen gewesen!

 

„Lisa“ hat Durst bekommen und schleckt gleich Wasser aus der Hand.

 

 

 

 

 

3.Swakopmund, im Jahre 2017: wir haben Durst, gehen in unsere Küche und lassen frisches Trinkwasser aus dem Wasserhahn laufen. Möglich ist dies durch die Meerwasserentsalzungsanlage nahe Wlotzkasbaken, die u.a. die etwa 40000 Einwohner von Swakopmund mit Trinkwasser versorgt, das aus Meerwasser gewonnen wurde. Ohne diese Anlage wäre Swakopmund wohl unbewohnbar.
4. Der menschliche Körper benötigt als Ausgleich für den Salzverlust durch Schwitzen sowie Körperausscheidungen etwa 3g NaCl (Kochsalz) am Tag. Entsprechendes gilt auch für (Wild-)Tiere. Zum Vergleich: ein Liter Meerwasser enthält ca. 30g NaCl.
Martin Weigand

Comments are closed.