Locker vom Hocker: Menschliche Beziehungen

Liebe Küstenleser!
Vor einiger Zeit schaute ich mir mit ein paar jungen Leuten in den 20ern das US-amerikanische Filmdrama von Woody Allen Blue Jasmine an. In dem pessimistisch angehauchten Film geht es um den finanziellen und sozialen Abstieg der einstigen High-Society-Lady Jasmin Francis. Jedes Verhältnis in dem Film, ob nun mit Schwestern, Liebhabern oder Eheleuten, geht in die Brüche.
Hinterher diskutierten wir über das, was wir auf dem Bildschirm gesehen hatten. Ich war geradezu gerührt von der tiefen Einsicht dieser jungen Leute, die in etwa auf folgenden gemeinsamen Nenner gebracht werden kann: ,,Wenn man sich in seinem Leben nur auf menschliche Beziehungen verlässt bzw. nichts außerhalb von menschlichen Interaktionen im Leben hat, dann führt das irgendwann einmal zu großen Problemen” – wie der Film es so treffend darstellte.

 

 

Eine der vielen kurzlebigen Beziehungen in dem Film Blue Jasmine, der die Einsamkeit und Oberflächlichkeit menschlicher Interaktion in einer westlichen Welt des Hochkapitalismus darstellt.

Fotos: Internet

 

Ich konnte den jungen Leuten nur Recht geben, war jedoch sehr erstaunt, welche Weisheit/Erfahrung? bereits in ihnen steckt.
Ist es nicht so, liebe Leser? Menschliche Verbindungen, ob nun Freundschaften, Ehen oder sonstige Liebesverhältnisse, sind ganz bestimmt ein wert-und wundervolles Geschenk, aber eben keine Garantie.
Selbstverständlich geht man ein Verhältnis nicht mit dieser Unsicherheit im Kopf ein, sondern eher mit einem Urvertrauen, und das ist ja auch gut und richtig so.
Allerdings sollte zur Freude des Lebens auch etwas beitragen, das nicht unbedingt mit Menschen und noch weniger mit Geld zu tun hat, denn – wie gesagt – man kann heftig auf die Nase fallen mit menschlichen Bindungen, vor allem, wenn man NICHTS anderes hat, worauf man sich im Falle eines Bruches stützen kann.

 

 

In der letzten Szene sitzt die einstige High-Society-Lady mit wirren Haaren auf einer Bank in der Stadt und führt – wie schon in der Vergangenheit – Selbstgespräche.

 

 

 

In der scharfsinnigen Filmtragödie Blue Jasmine wird gezeigt, wie eine einstmals wohlhabende Frau in einer gnadenlosen westlichen Welt des “Tretens oder Getretenwerdens” nicht nur ihr Hab und Gut verliert, sondern eben auch jede Beziehung zu Menschen. Die Leere kann sie deshalb nicht füllen, weil sie keine anderen Interessen hat.
Ihre Susann Kinghorn

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