Locker vom Hocker: In Zehenschuhen durchs Leben tanzen

Liebe Küstenleser!
Als die amerikanischen Kunststoffschuhe mit den leuchtenden Farben, die so genannten Crocs, zu Beginn des 21. 5fingerJahrhunderts auch bei uns in Namibia ihre Erscheinung machten, habe ich mir geschworen, diese hässlichen Entenschuhe nie zu tragen. Das habe ich bisher auch konsequent durchgehalten.
Gute zehn Jahre später, bzw. vor etwa drei Jahren, kam mein Sohn plötzlich mit solchen komischen Fünffingerschuhen nach Hause. Zum Totlachen fand ich diese Handschuhe für die Füße, deren italienische Hersteller ganz bestimmt keinen Profit von mir erwarten können – so dachte ich jedenfalls damals!
Seit Monaten laufe ich nun schon ein- bis zweimal wöchentlich in hässlichen, rosafarbenen Fünffingerfußschuhen über Kalksteine und Sand am Ufer des Swakopriviers. Natürlich gibt es auch ästhetischere Vibrams, wie der Markenname dieser gewöhnungsbedürftigen Fußbekleidung lautet, aber dieses pinke, unansehnliche Paar war das einzige, das ich in ganz Swakopmund ausfindig  machen konnte.
Zu der anfangs unschön wirkenden Anschaffung kam es, nachdem ich das Buch ,,Born to Run” von Christopher McDougall gelesen hatte. Der amerikanische Journalist, dessen Passion das Joggen ist, findet in diesem Buch eine Antwort auf die Frage, warum seine Füße beim Laufen immer so weh tun. Er lernt nämlich das Bergvolk der Tarahumara in den Schluchten der Copper Canyons in Mexiko kennen, die den menschlichen Bewegungsdrang in seiner faszinierendsten Form verkörpern. Das Laufen über lange Strecken – früher barfuß und heute in dünnen Ledersandalen – ist für sie nämlich so selbstverständlich wie das Atmen. McDougall muss feststellen, dass all dieser Schnickschnack um gut gefederte Laufschuhe absoluter Humbug ist und dass wir eigentlich geradezu wie geschaffen fürs Barfußlaufen sind.
Die Entwicklung der abriebfesten Sohle aus Gummi, die die italienische Firma Vibram aus Albizzate entworfen hat, ist zurückzuführen auf ein Bergunglück 1935, bei dem sechs Bergsteiger aufgrund untauglichen Schuhwerks sterben mussten. Daraufhin begann der Italiener Vitale Bramani an Sohlen zu forschen, die sich besser für das alpine Gelände eignen.
Ursprünglich wurde die Vibramsohle insbesondere für Bergschuhe eingesetzt, bald aber fand sie auch Verwendung bei Sport-, Wander-, und Winterschuhen. Seit 2005 gibt es nun diesen FiveFinger-Schuh, der komplett aus Vibram hergestellt ist.
Die Vibram Fivefinger unterstützen den Muskelaufbau des Fußes, weil sie den Fuß nicht – wie die üblichen Laufschuhe – stützen. Gleichzeitig schützen sie die Fußsohle und Zehen wirkungsvoll gegen z.B. Steinchen u.a. und sind außerdem rutschfest.
Wie dem auch sei, liebe Leser, ich kann Ihnen nur sagen, dass ich mich wie eine Tänzerin in Tschaikowskys berühmtem Ballett ,Schwanensee’ fühle, wenn ich diese putzigen Schühchen wie einen Kondom über meine Zehen und den Rest des Fußes stülpe.
Ärzte und Sportwissenschaftler sind sich jedenfalls einig, dass klassische Schuhmodelle einen unnatürlichen Lauf fördern, der sich in Fehlstellungen und Schmerzen bzw. Verletzungen in Knien und Wirbelsäule äußert. Bei uns Gummifüßlern wird der Fuß weniger geschont und muss mehr leisten. Und das tut ihm und uns gut!
Das habe ich am eigenen Leibe bzw. Fuß erfahren.
Ihre Susann Kinghorn

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