Locker vom Hocker: Erongo Plateau Camp: optimales Lebenstempo!

Liebe Küstenleser!
Obwohl wir durch das internationale elektronische Netzwerk und Transportmittel aller Art in Form von Flugzeug, Schiff oder Eisenbahn irgendwie miteinander verbunden sind, gibt es doch sehr unterschiedliche Lebensweisen auf dieser zerbrechlichen Erd-kugel, die unseren Lebensraum ausmacht.
Neulich schickte mein Mann mir eine Mail mit einem Videoclip über die schnellste Eisenbahn der Welt, die mit 600 km/h über den Globus rast. Die japanische Magnetschwebebahn Maglev soll zum Jahr 2027 Tokio mit der Industriestadt Nagoya verbinden. 

 

 

Vor Freiheitsgefühl ausgestreckte Arme neben den Zweigen eines “Flaschenbaums” (Moringa ovalifolia) auf einem der Wanderwege im Erongo Plateau Camp. Im Hintergrund ist der Kranzberg zu sehen, der zum äußersten Osten des Erongogebirges gehört.
Fotos: Susann Kinghorn

 

Mmmh, ich habe mich als namibisches Kind immer riesig gefreut, wenn eine Eisenbahnfahrt angesagt war. Dann fuhr man in einem alten, blauen Dampfzug mit höchstens 160 km/h über die 107 cm breite Kapschmalspur und schaute sich, magisch gebannt, die urige Landschaft an, während der Eisenhengst unter einem meditativ-monoton dahin galoppierte.
Ich glaube kaum, dass es das Ziel der japanischen Maglev ist, Passagieren die Möglichkeit zu bieten, beschaulich aus dem Fenster zu schauen. Vielmehr soll dieser Gepard eines Schnellzuges bis zum Jahre 2027 so verfeinert werden, dass die 280 Kilometer lange Fahrt zwischen Tokio und Nagoya um rund 40 Minuten verkürzt werden kann.
Während man in Japan mit 600 km/h durch unterirdische Tunnel rast, sitze ich mit meinen beiden Söhnen im Erongo Plateau Camp und sehe um mich herum Büsche, Bäume, Granitkegel, Vögel und strahlend blauen Himmel.

 

 

Wie arm wären wir Namibier ohne das wa-bernde Lagerfeuer und den Geruch von brennendem Kameldornholz? Holz gibt es im Erongo Plateau Camp zu kaufen.

 

 

 

 

Übrigens kann ich nicht anders, als von diesem Camp der Farm Eileen zu schwärmen. Es gibt dort nur vier Campingplätze, alle sauber und minimalistisch mit Natursteinen in die Natur eingebettet. Oliver und Conny Kayser, die beide in Windhoek berufstätig sind, haben hier mit dem owambosprachigen Israel Mbudu im Februar 1998 auf der elterlichen Farm Eileen ein kleines Paradies aus dem Nichts zu errichten begonnen. Das Ehepaar konnte sich damals mit Israel nur per Mimik und Gestik verständigen. Er hatte keine Schule besucht und sprach kaum Englisch. Inzwischen ist diese gute Seele des Camps, die all die Wanderwege gebaut und die Wasserrohre gelegt hat, im Ruhestand und Elia empfängt heute die Gäste. Auch kann man bei ihm Holz kaufen. Es ist strengstens verboten, Holz zu sammeln, denn dem Ehepaar Kayser geht es um die Bewahrung dieser kleinen Oase des Friedens. Selbstverständlich darf auch sonst nichts mitgenommen oder gar zerstört werden.

 

 

Auf einem der Wanderwege beim Erongo Plateau Camp begegneten wir dieser Hornviper (Cerastes cerastes), die träge in der Sonne lag und ihr Mahl verdaute.

 

 

 

 

Der Campingplatz hat warme Duschen sowie Spültoiletten, jedes Camp hat eine Feuerstelle (das Bratrost muss allerdings selbst mitgebracht werden) und einen eigenen Wasseranschluss.
Sagen wir es doch einfach wieder mal: Namibia ist ein Land, in dem es sich trotz Vetternwirtschaft, Korruption und zunehmender Kriminalität zu leben lohnt, weil der Schöpfer oder Evolutionsguru nicht an einmaligen, faszinierenden Landschaften gespart hat.
Das jedenfalls meint
Ihre Susann Kinghorn

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