Locker vom Hocker: 60 Jahre Guinessbuch der Rekorde

Liebe Küstenleser!
Als das erste Guinessbuch der Rekorde 1955 in Irland erschien, ging es darin hauptsächlich um außergewöhnliche Leistungen von Menschen und weniger um die längste Zunge oder das hartnäckigste Durchhaltevermögen mit 87 Klapperschlangen in einem Bad. Höher, schneller oder weiter reicht jedoch schon lange nicht mehr aus, um in dem Buch zu erscheinen, das sich mit 130 Millionen verkauften Exemplaren in mehr als 25 Sprachen zum Verkaufsschlager entwickelt hat. Auf der Jagd nach Rekorden muss es heutzutage witzig, schrill, eklig und verrückt sein – nur so hat man eine Chance in dem Rekordbuch zu erscheinen, das nach der Bibel und dem Koran das meist gekaufte Buch ist.
Ich konnte noch nie verstehen, dass es Menschen so wichtig ist, im Guinessbuch der Rekorde zu erscheinen, Bienenrekordjedenfalls dann nicht, wenn es so gar nichts mit ihren eigenen eindrucksvo-len physischen und geistigen Fähigkeiten zu tun hat. Da gibt es zum Beispiel eine Tracy Westwood in der südenglischen Hafenstadt Torquay, die dafür sorgte, dass ihr 13 Jahre alter Kater Merlin mit dem Weltrekord im lautesten Schnurren in dem Buch erschien. Mit 67,8 Dezibel schnurrt Merlin so laut wie ein Auto, das in zehn Metern Entfernung vorbeifährt.
24 Schüler einer Hamburger Schule haben gemeinsam mit Konditormeister Thomas Horn ein

Ein sonderbarer Weltrekord: 331.000 Bienen ließ der Chinese She Ping an seinem Körper hochkrabbeln. 33,1 Kilogramm wiegt das Bienenkostüm. Ein Räucherstäbchen soll die Tiere aus dem Gesicht fernhalten.

30 Meter langes Pausenbrot zubereitet und sind als ,,Deutsche Pausenbrot-Meister” in ,dem “Buch der Bücher” erschienen.
Ganz spontan entschloss sich Sascha Winkel bei den Vorbereitungen für eine Reportage über eine Reihe von Guinness-Weltrekorden kürzlich in Köln, selbst aktiv zu werden. Ohne es je geübt zu haben, trank er innerhalb von 53,9 Sekunden einen Liter Zitronensaft durch einen Strohhalm und besiegte Michael Jenkins, der dafür 0,2 Sekunden länger brauchte.
Letztes Jahr brannte über der japanischen Stadt Konosu der Himmel. Beim Konosu-Feuerwerk-Festival wurden rund 15000 Raketen in die Luft geschossen – mit einem Gesamtgewicht von 464 Kilogramm. Sie erleuchteten den Himmel in einer Breite von 800 Metern. Damit kassierten die Japaner den bisherigen Rekord von 2013 ein, den Dubai gehalten hatte.
Spontan fällt mir das Wort Umweltschäden ein, und ich denke mit Wehmut an die Zeit zurück, wo ein Rekord bedeutete, dass man sich als Indivuduum oder Team körperlich und geistig über das Normalmaß hinaus verausgabt – wie zum Beispiel die Alpin-Legende Reinhold Messner, der bis 1986 als erster Mensch auf allen 14 Achttausendern dieser Erde ohne Zuhilfenahme von künstlichem Sauerstoff gestanden hatte. Das nenne ich eine Höchstleistung, die es wert ist, im Guinessbuch der Rekorde zu erscheinen. Wenn sich aber 745 Nudisten in die Fluten vor Neuseeland stür-zen und das zu einem Weltrekord wird, dann können Sie sicher sein, dass das am drittmeist verkaufte Buch nie in meinem Bücherregal stehen wird.
Ihre Susann Kinghorn

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