Lichtblick für einsame Farmer – Folge 2

Die Schtorie von Ingrid Kubisch erscheint in zwei Folgen auf diesen Seiten.
Folge 2
Der Angriff von der anderen Flanke hatte mehr Erfolg. Unter dem Slogan „Deutsche Frauen nach Südwest“ wurden Frauen zwischen 20 und 35 – also im gebärfähigen Alter – angeworben, zwecks Anstellung als Dienstmädchen oder „Stütze“ auf Farmen und in Haushalten der Kolonie. Dienstmädchen waren in der Kolonie sehr gefragt, schon allein, weil das Wort „Dienst“ eine sehr freie Interpretation zulässt. Das störte die Mädels nicht. Sie kamen in Scharen und aus allen sozialen Schichten, um der Enge und allgemeinen Aussichtslosigkeit im tristen Deutschen Reich zu entfliehen. Mit rücksichtsloser Ellenbogenkraft drängelten sie sich in die drei Häuserblocks lange Reihe und hofften inständig auf ein neues Leben als „Herrin“ auf einer Farm in Südwest. Vordergründig wurde den Frauen eine Arbeitsstelle in der Kolonie versprochen. Die geheime Agenda aber war die Reinhaltung der deutschen Rasse.
So geschah es, dass die sogenannten „Weihnachtspäckchen“ nach Südwest kamen. Das Geschenk des Reichs an seine Siedler. Die Schiffsreise dritter Klasse war kein Urlaub, aber die Mädels waren einiges gewöhnt. An Land gesetzt, entweder mit Kran und Korb oder auf den starken Armen liberianischer Kru Boys, schüttelten sie ihre pastellfarbenen langen Röcke aus, zupften Häubchen und Hüte zurecht und blickten gen Osten. Da sahen sie sie. Wenn Ostwind geherrscht hätte, hätten sie sie auch gerochen – die Farmer und Siedler. Mit von der Sonne gebleichten Haaren, gegerbten Gesichtern, die Körper von Knochenarbeit ausgemergelt, so warteten sie – ausgehungert nach Frau, nach deutscher Frau.

 

Plaasboer hat schon Bokkie. RTL kann ma tscheilan.

 

 

 

 

 

Zum Glück kamen die jungen Frauen erst in einem Swakopmunder Hotel unter. Es soll hier keineswegs unterstellt werden, dass sie keinerlei Betreuung hatten und den Schakalen zum Fraße vorgeworfen wurden, das nicht. Es wurde dann auch recht angenehm mit den ganzen Lustbarkeiten, die zum gegenseitigen Kennenlernen angeboten wurden. Das Kennenlernen ging zum Teil recht lebhaft vonstatten, sodass die Hebammen unter den Frauen nach neun Monaten alle Hände voll Baby hatten. Viele der jungen Frauen reisten ins Inland weiter. Das „Heimathaus“ in Keetmanshoop war ein angesehenes Verkupplungsdomizil und diente auch als Bollwerk gegen die Vermischung mit den „Buren“ des südlichen Nachbarlandes. Die Kolonialverwaltung war emsig am Werk.
Also: Die Kolonie wurde wieder gesitteter und die Kinder sprachen wieder deutsch. Die deutsche Frau hatte das Ruder gründlich herumgerissen. Das Händchen, das sich vordem kokett die Locke hinters Ohr streifte, wurde zur kräftigen in die Seite gestemmten Faust. Jetzt gab es gemauerte Häuser mit Gardinen vor den Fenstern, Hüh-nerställe und Gärten, es wurde gebuttert und gekäst. Es gab Familienleben und Schafkräle. Schluss war’s mit dem Lotterleben des einsamen Farmers, Schluss mit dem vergnüglichen Samstagnachmittagbad, wenn die Omakaindo ihren Farmer tüchtig einseifte. Zurück in den Pontok mit ihr, samt ihrer wuseligen Kinderschar!
Nichts für ungut, liebes RTL, kommen Sie nicht! Die Show „Farmer sucht Frau“, die hatten wir schon!

 

ENDE

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