Irmela Erlank: ein der Ästhetik gewidmetes Leben

Immer adrett angezogen, ihr Auge auf das Schöne, Kunstvolle im Leben gerichtet, so kennt man Irmela Erlank, die seit nunmehr 63 Jahren die darstellende Kunst und das Theater in Swakopmund ausschlaggebend geprägt hat.
Hier werden acht Fragen von ihr beantwortet. Dann folgt ein kurzer Ausschnitt aus ihrem Leben. Irmela Erlank 86 Juni 2015 (3)klein
1. Was würdest du als den Höhepunkt deines privaten und professionellen Lebens bezeichnen?
Die Geburt meiner drei Söhne und die Gründung meiner eigenen Buchhandlung und Kunstgalerie ,,Die Muschel”.
2. Welche Lebenserfahrungen haben dich maßgeblich geprägt?
Die Beschäftigung mit dem Wort in all seinen Facetten, sei es Gedicht, Drama, Prosa oder Rhetorik – eine Idee so formulieren zu können, dass sie Anklang findet.
3. Was hat dir im Leben am meisten Spass gemacht?
Mit möglichst begabten Menschen Bühnenwerke einzustudieren – und Bridge spielen.

Die 85jährige Irmela Erlank heute in ihrer geschmack- und kunstvoll eingerichteten Wohnung in der Lions-Seniorenresidenz. Foto: Susann Kinghorn

4. Welches waren die schlimmsten Augenblicke in deinem Leben?
Der Tod meines Mannes, der im Alter von 57 Jahren einem Herzinfarkt erlag.
Während der Bombenangriffe in Berlin von 1942 sah ich einen ,,feindlichen” Piloten aus seinem brennenden Flugzeug springen. Sein Fallschirm fing sofort Feuer, sodass er als lodernde Fackel langsam aus dem Himmel niederglitt. Noch Jahre später bin ich manchmal schreiend aufgewacht, wenn diese schaurige Erinnerung mich im Traum heimsuchte.
5. Mit welcher Eigenschaft bist du deiner Meinung nach gesegnet, zu welcher verdammt?
Ich neige zur Kritik, einer Eigenschaft, die Segen und Fluch sein kann. Man selbst ist ja auch in keiner Weise vollkommen. Daher arbeite ich daran, nachsichtig zu sein.
6. Welche drei Eigenschaften bei einem Menschen erscheinen dir am wichtigsten?
Intelligenz, Hilfsbereitschaft und Humor.
7. Was gibt dir Halt im Leben?
Meine Gespräche mit Gott.
8. Welche drei Dinge würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen wollen?
Eine Saatkartoffel, einen Spaten und die Bibel,weil ich noch nicht dazu gekommen bin, sie von A-Z zu lesen.
9. Was hättest du gerne anders gemacht, worauf bist du besonders stolz?
Mir hätten zwei bis drei Umzüge in meinem Leben genügt, der Krieg und der Beruf meines Mannes als Banker brachten es aber mit sich, dass ich zwölfmal umziehen musste. Der Abschied von liebgewonnenen Freunden wurde von Mal zu Mal schwerer.
Stolz bin ich auf meine drei Söhne und sechs Enkel und auf etwa 30 bis 40 Theaterinszenierungen, von denen ich einige selbst verfasste. Irmela Erlank 1966

Irmela Erlank wurde in einem wunderschönen Teil Deutschlands, der mecklenburgischen Seenplatte, geboren und verbrachte die ersten Jahre ihres Lebens in Warin bei Wismar. Als Zehnjährige durfte sie den hüpfenden Froschkönig im grünen Trainingsanzug spielen. Das war die Seligkeit, und von Stund’ an hatte sie sich dem Theater verschrieben.

 

Irmela Erlank im Jahre 1966 mit ihren drei Söhnen Niels, Boris und Olaf (von links).
Foto: Privat

Anfang des 2. Weltkrieges besuchte Irmela das Elizabeth-Lyzeum in Berlin, wo sie wiederum das Glück hatte, eine theaterverliebte Klassenlehrerin zu finden, die ihr die heißbegehrte Rolle des Schweinehirten im gleichnamigen Märchen zuteilte.
1943 wurde die Familie total ausgebombt und zog nach Krakau in Polen. Bedingt durch den Vormarsch der Russen folgte die Flucht zurück nach Mecklenburg, bis die Eltern entschieden, die beiden ,,großen” Mädchen weiter gen Westen zu einer befreundeten Familie bei Hamburg zu schicken, in deren großer Gärtnerei sie sofort angestellt wurden.
Da die Schulen 1949 noch geschlossen blieben, begann Irmela, einigen Kindern das Lesen, Schreiben, Rechnen und Englisch beizubringen. Später besuchte sie eine Dolmetscherschule und Kurse für englische und deutsche Stenografie.
Da ihre Mutter und deren Familie vor dem 1. Weltkrieg in Afrika gelebt hatten, wurden Irmela und ihre Großmutter nach Kriegsende 1952 nach Swakopmund in Südwestafrika geschickt, um dort das vom “Custodian of enemy proper-ty” beschlagnahmte Vermögen ihre Großvaters Eduard Wardesky wiederzuerlangen. Mit Hilfe eines sehr freundlichen Bankangestellten, gelang es, alle dazu nötigen Papiere auszufüllen, so dass das Geld in kürzester Zeit auf dem Konto der Großmutter landete. ,,Der hilfsbereite junge Banker Gustav Erlank”, erzählt Irmela Erlank, ,, wurde dann 1955 mein Mann und Vater meiner drei Söhne.” Sie fährt fort: ,,Mein Eheleben begann in einer hübschen kleinen Wohnung in der Kaiser Wilhelmstraße im Toussaint-Haus.”
Als Sohn Olaf 1956 geboren wurde, arbeitete Irmela als Übersetzerin in der Kanzlei Halse, Havemann and Partners . Es folgten die Söhne Boris und Niels. ,,Ihr Heranwachsen zu erle-ben, barg viel Freude und Überraschungen”, so Irmela. ,,Alle drei hatten Gustavs gutes Gedächtnis geerbt und meine Neugierde.”
Gustav Erlank wurde nach Omaruru, nach Strydenburg und Zeerust in Südafrika versetzt, sodass die Familie viel umziehen musste. Da es Erlanks in die Südwester Heimat zurückzog, sagte Vater Gustav der Standard Bank ade und begann als Finanzberater der Trust Bank in Walvis Bay zu arbeiten. Irmela wurde Geschäftsführerin für das Möbelhaus A. Kornblum.
Nachdem die Familie 1970 zurückgekehrt war, schloss Irmela sich gleich wieder dem Kunstverein an, dem sie 35 Jahre lang mit Leidenschaft verbunden blieb. Ihr ist es auch mit zu verdanken, dass sich Swakopmund bis heute über eine geeignete Bühne für Theaterstücke und Konzerte in der NPS-Kul-turaula freuen darf.
Begonnen hatte ihre Liebe zum Theater bereits in ihrem 7. Lebensjahr, als sie im bezaubernden Schweriner Schloss ‘Peterchens Mondfahrt’ sah. Dank dieses Saatkörnchens, das damals gelegt wurde, durfte Swakopmund sich viele Jahre lang an ihren Theateraufführungen und -inszenierungen erfreuen. So manch einer wird sich erinnern – an ,Ein Inspektor kommt’, ,Rund um den Damaraturm’,’My Fair Lüderitz oder ,Shirley Valentin’.
Nach dem Tode ihres Mannes 1982 gründete Irmela Erlank eine kleine Galerie, ,,Die Muschel”, wo sie ihren Hobbies, Bücher und Bildende Kunst, frönen konnte und die sie zehn Jahre lang mit Inbrunst betrieb. Auch ihre Begeisterung für die Bil-dende Kunst liegt bereits in ihrer Kindheit verankert. ,,Als Schlüsselerlebnis würde ich meine erste Berührung mit moderner Kunst bezeichnen, als ich 1945 eine Ausstellung in Hamburg besuchte”, beantwortete Irmela Erlank eine Frage von Irene Schier in einem Interview, das vor einigen Jahren in den Felsgraffiti erschien. ,,Es war für mich ein umwerfendes Erlebnis, vor Werken von Barlach, Nolde, Schmidt-Rottluff, Bra-que und Picasso zu stehen, alles Künstler, die während meiner Kindheit als entartet galten.”
In Swakopmund hat Irmela sich mit Begeisterung dafür eingesetzt, dem Publikum sowohl die moderne Kunst als auch die Alten Meister zugänglich zu machen. Auch förderte sie diverse Talente der afrikanischen Kunstrichtung, die sich immer stärker entfaltete.
Neben dem Theater und der Bildenden Kunst galt ihr Schaffenseifer dem Schreiben. Begonnen hatte ihre Liebe zum geschriebenen Wort mit den ersten gelungenen Schulaufsätzen. Zweimal beteiligte sie sich an Kurzgeschichtswettbewerben des Deutschen Kulturrates und wurde mit Preisen ausgezeichnet.
,,Ich bin eine Suchende, immer neugierig”, fasst Irmela Erlank ihren führenden Wesenszug zusammen. Abschließend möchte ich hinzufügen: ,,Irmela hat ihr Leben mit Herz und Seele der Ästhetik verschrieben.”

Susann Kinghorn

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