Interview mit der Swakopmunder Nachbarschaftswache

Mit der zunehmenden Kriminalität an der Küste ist es notwendig geworden, dass kein einziger Bürger es sich mehr leisten kann, einfach nur die Augen zu verschließen vor dem, was inzwischen schon fast zum Alltag gehört. Susann Kinghorn hat sich mit zwei der Gründer der Swakopmunder Nachbarschaftswache (SNW) unte-halten.
1. Die SNW existiert nun schon knapp sechs Jahre lang. Wie sieht es mit der Unterstützung aus?
Dewald: 2011 hatten wir in kürzester Zeit 350 Interessierte zusammen, heute sind wir nur noch knapp 100 aktive Mitglieder. Seit dem Raubüberfall im Chala Kigi-Gästebetrieb in Kramersdorp vor einiger Zeit hat das Interesse allerdings wieder merklich zugenommen.
2. Wie hat sich die SNW sonst entwickelt?
Andrè: Wir lernen jeden Tag dazu. Seit zwei Wochen kann man sich über Facebook einer unserer neun whatsapp-Gruppen anschließen, die jede ein bestimmtes Areal der Stadt abdeckt. Durch diese Gruppen sind wir laufend darüber informiert, wo gerade etwas Verdächtiges zu sehen ist. Allerdings sollte man uns nicht mit solchen Lappalien wie ,,Mein Hund ist entlaufen” oder ,,Die Katze hängt im Baum fest” bombardieren. Und auch die Kriminalität in Südafrika ist nicht unsere Priorität. Wir sind leider ein Tausendsassa geworden und wollen doch nur eines: unsere Gemeinschaft vor Kriminalität schützen.
Auch haben wir große Zukunftspläne mit gewissen technologischen Erneuerungen, aber dazu erst mehr, wenn es soweit ist!
3. Was plagt euch als Gründer der SNW, die neben ihrem Alltagsberuf ständig im Einsatz sind?
Dewald: Die Swakopmunder haben oftmals einen falschen Eindruck von uns. Nein, wir werden für unsere Arbeit nicht bezahlt. Wir tun das alles freiwillig. Niemand wird bezahlt – außer unserer Sekretärin, die jeden Vormittag in dem Eckturm vor SPAR sitzt, wo wir unser Büro eingerichtet haben. Was mich plagt, sind Menschen, die uns in keiner Weise unterstützen und dann noch sagen: Ihr habt euch die Arbeit doch ausgesucht! Oder solche, die uns ständig anrufen, wenn sie uns brauchen, aber keinerlei Hilfestellung leisten.
Andrè: Ja, die Menschen sollten endlich einmal ihre Scheuklappen ablegen und sich genauer informieren.
4. Wie steht es um eure Zusammenarbeit mit der Polizei?
Andrè: Wir arbeiten sehr gut mit der Abteilung der Polizei zu-sammen, die für die Verbrechensbekämpfung verantwortlich ist. Allerdings besteht sie nur aus fünf Mitgliedern, und es müssten eigentlich 16 sein.
Natürlich lässt die Polizeistation viel zu wünschen übrig mit ihrem motivationslosen, unterbezahlten Personal und deren ineffektiver Protokollierung von Kriminalfällen. Andererseits hört die Öffentlichkeit leider zu selten von den Erfolgen – dass es zum Beispiel der Polizei zu verdanken ist, dass man die Einbrecher hinter Gitter gebracht hat, die durchs Dach in den Handyladen in der Woermann-Arkade gestiegen sind.
5. Wie geht ihr gegen Verbrecher vor? Tragt ihr Waffen?
Dewald: Ja, wir dürfen Waffen tragen, allerdings versteckt. Wenn es ums Schießen geht, sind uns allerdings die Hände gebunden. Die Phrase ,,Bewegungsfreiheit” ist zu einem Zauberwort geworden, das Verbrechern ungehinderten Zugang verschafft, während es für uns, sollten wir tatsächlich schießen müssen, sehr schwierig sein wird, zu beweisen, dass wir es aus Selbstverteidigung oder zum Schutz der angegriffenen Person getan haben.
6. Was ist euer Rat an die Swakopmunder Bürger angesichts der zunehmenden Kriminalität?
Andrè: Seid wac-sam! Es gibt Fälle, da können Einbrecher sich mühelos bis ans Bett einer Person heranschleichen, weil Fenster offenstehen und Türen nicht abgeschlossen sind. Beobachtet eure Umgebung! Meldet Verdächtiges!
Dewald: Und schließt euch der SNW an! Wir brauchen in erster Linie Männer, die patroullieren, nur zweimal im Monat für zwei Stunden. Und natürlich sind wir für jede Spende dankbar. Allein das System mit den Funkgeräten, die ganze Anschaffung mit allem Drum und Dran hat fast N$ 100 000 gekostet. Dann verfahren wir ja einiges Benzin auf den Patrouillen und auch, wenn wir rausgerufen werden. Jede Spende ist willkommen.
7. Wie schafft ihr es, neben euerm Beruf, ständig auf Abruf zu sein?
Andrè: Unser ehrenamtlicher Einsatz zehrt natürlich an einem und fordert viel Energie. Wir erhalten manchmal bis zu 700 whatsapp-Botschaften täg-lich. Dann ist da noch die zeitliche und finanzielle Belastung. Wir patroullieren, fahren zu Versammlungen – wie neulich zu der Zusammenkunft aller Nachbarschaftswachen im Lande (Omaruru, Otjiwarongo, Outjo, Grootfontein usw.), die in Windhoek stattfand, und das fordert Zeit und Geld.
Dewald: Manchmal ist man kurz davor, auszubrennen. Und natürlich hat dieser ganze Einsatz zeitweise auch eine weniger positive Wirkung auf die eigene Familie. Man hat weniger Zeit und Energie für Frau und Kinder, weil zu viel davon indie SNW geht.

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