110 Jahre SWAKARA

Liebe Küstenleser!
Am 31. Oktober findet in Keetmanshoop, im Herzen des namibischen Karakulzucht-Areals die 110. Jubiläumsfeier von SWAKARA (Süd-West-Afrika-Karakul) statt. An dem Dienstag führen 12 namibische Modelle Pelzhändlern aus aller Welt die schönste Bekleidung aus Karakulfell vor, von einer klassisch-eleganten Serie über eine erotisch-anziehende bis hin zu einer bunt-gewagten Palette von Pelzen, alle Möglichkeiten.

 

 

Das Modell Kata Steyn vor der Kulisse von Swakaraschafen auf der Farm Goreis im südlichen Karakullande, wo sie aufgewachsen ist. Foto: Privat!

 

 

 

 

 

 

Unser Trio Feminale mit Gastmusiker Ferdinand Hengombe an der Djembetrommel haben die Ehre, die Modelle und das Dinner musikalisch zu begleiten.
Karakulschafe – der offizielle Name hierzulande lautet inzwischen Swakara-Schafe – sind seit 1907 in Namibia gezüchtet worden.

Trio Feminale mit Djembetrommelspieler Ferdinand Hengombe vor der Kulisse der Namibdünen, die nächste Woche gegen die Sü-densteppe um Keetmanshoop herum eingetauscht wird. Das Ensemble wird die Karakulpelz-Modelle musikalisch begleiten und die Feierlichkeiten generell untermalen.

Foto: Raini Becker

Eigentlich begann alles bereits 1612, als der aus Görlitz stammende Paul Thorer, dritter Sohn des Theodor Thorer, der eines der führenden Unternehmen der europäischen Pelzbranche in Leipzig gegründet hatte, die Deutsche Kolonialregierung dazu anregte, Karakulschafe in Deutsch-Südwestafrika einzuführen. Paul Thorer war der Meinung, dass die ariden Wüstenbedingungen des südwestlich gelegenenen Afrikastaates denen der zentralasiatischen Steppe sehr ähnlich und daher ideal für die Karakulzucht seien.
Auf Bitten des damaligen deutschen Gouverneurs von Südwest-Afrika, Friedrich von Lindequist, kaufte Paul Thorer aus einem für Österreich bestimmten Transport von Karakulschafen zehn Mutterschafe sowie zwei bereits in Groß-Enzersdorf gezüchtete Karakulböcke. Er veranlasste 1907 den ersten Transport reinrassiger Tiere, aus der sich die bedeutende Karakulzucht in Namibia, Swakara, entwickelte.
Der erste Karakulzüchter war Albert Voigts von Voigtsgrund. Er erhielt von dem damaligen Gouverneur acht Reinblutmütter und einen Reinblutbock aus der von Theodor Thorer der Regierung vermittelten Versuchsherde von zwölf Karakulschafen. Die restlichen, nach dem Norden trasportierten Tiere gediehen wegen des dort feuchten Klimas nicht.
Dank der guten Beziehungen des deutschen Kaisers zum russischen Zaren wurden nach und nach 820 Karakulschafe aus Usbekistan nach Deutsch-Südwestafrika nachgeliefert. Sie bildeten den Grundstock der südwestafrikanischen Karakulzucht, obwohl es noch 25 Jahre dauern sollte, bis sich die mit Einkreuzung einheimischer Rassen gezüchtete Schafrasse Swakara (= Südwestafrikanisches Karakul) durchsetzte und – noch wichtiger – sich die schwarzen, feingelockten Swakara-Felle am Weltmarkt in Konkurrenz zu den etablierten Persianer-Fellen aus Buchara/Usbekistan behaupten konnten.
Swakara-Persianer bildeten zeitweilig einen der bedeutendsten Exportartikel Namibias. Wie überall auf der Welt ging es allerdings auch hier mit dem Handel auf und ab. Der Modewechsel hin zum Nerzpelz, etwa um 1970, und später ein allgemeiner Rückgang der Nachfrage nach Pelzen führte 1991 zeitweilig zum Zusammenbruch der Karakulzucht in Namibia.
2005 wurde der Bestand vom Statistikbüro des Ministeriums für Landwirtschaft, Wasser und Forstwirtschaft mit nur noch 181410 Tieren angegeben.2012 verzeichnet die Züchtergemeinschaft wieder Rekordpreise für ihren moirierten/marmorierten Persianertyp.
Heute ist Namibia neben Russland und Afghanistan eines der Hauptzuchtländer des SWAKARA-Schafes, dank etlicher Karakulzüchter hierzulande, die nie aufgegeben haben.
Ihre Susann Kinghorn, die ihren grauweiss-marmorierten Karakulfellmantel aus den 70iger Jahren, den sie von ihrer Frau Mama geerbt hat, mit zu der SWAKARA-Show nehmen wird – trotz Inlandhitze.

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